Kennt ihr eigentlich schon Berdien und ihren überaus lesenswerten Blog Bejewly – The diplomat’s wife? Auf ihrem Blog berichtet sie nicht nur von ihrem Leben als Frau eines Diplomaten in Mexiko, sondern sie gewährt uns einen Einblick in ihren Alltag und lässt uns an ihrem spannenden Leben als Expat-Familie teilhaben. Auch die Tatsache, dass sie zugunsten ihres Mannes auf eine eigene Karriere verzichtet, wird auf ihrem Blog thematisiert. In ihrem aktuellen Blogpost “Mein Mann, seine Karriere und ich” berichtet Berdien nicht nur über ihre persönliche Situation, sondern stellt auch die Frage:

“Bist du vielleicht in einer ähnlichen Situation wie ich und stellst deine eigene für die Karriere deines Partners hinten an?”

Ich als Hausfrau / Mama zweier Kinder / promovierte Naturwissenschaftlerin fühlte mich natürlich direkt angesprochen und freue mich daher sehr, an dieser schönen Blogparade teilnehmen zu können!

Offene Kommunikation von Anfang an. Oder: Zwei Akademiker und die Familienplanung.

Als wir uns damals, vor gut fünf Jahren, aktiv mit dem Thema Familienplanung befassten, war meinem Mann und mir eigentlich sofort klar: Die ersten drei Jahre würde ich mit Kind zu Hause bleiben, mein Mann würde weiter voll arbeiten gehen. Es bedurfte auch gar nicht vieler Worte, die Situation zu klären. Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits seit sehr langer Zeit ein Paar, kannten uns in- und auswendig und -wie in so vielen Dingen- passten auch hier unsere  individuellen Ansichten gut zusammen.

Mein Mann befand sich beruflich gerade in einer, nennen wir es einmal, guten Ausgangsposition und wollte auf keinen Fall zurückstecken. Und um ehrlich zu sein: Er wäre auch nicht der Typ dafür. Elternzeit, eine reduzierte Stundenzahl oder die berühmte 50:50-Lösung wären einfach nicht sein Ding. Und soll ich euch etwas verraten? Ich finde das auch gar nicht schlimm. Nicht jeder muss diese Modelle mögen. Auch nicht im Jahr 2017.

Mir hingegen erschien die Vorstellung, mich zunächst einmal ganz um unseren Nachwuchs kümmern zu dürfen, unglaublich verlockend. Ich hatte bislang (sehr gerne) als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität gearbeitet und stand kurz davor, meine Doktorarbeit fertigzustellen. Als einen Verzicht oder ein “Aufgeben meiner Karriere” sah ich das Ganze jedoch nicht. Im Gegenteil – ich freute mich auf die vor mir liegende Exklusivzeit mit unserem Kind!

In der Realität angekommen. Ich bin Hausfrau.

Nach der Geburt unserer Tochter hatten wir uns rasch in unseren neuen Rollen eingefunden und stellten ziemlich schnell fest: Das läuft! Die berufliche Stellung meines Mannes entwickelte sich tatsächlich besser, als wir es uns zunächst erhofft hatten. Er war zufrieden und hatte großen Spaß an seiner Arbeit. Fairerweise muss man anmerken: Er konnte sich ja auch voll und ganz auf seinen Beruf konzentrieren. Und trotz einer hohen Wochenarbeitszeit  blieb und bleibt ihm noch genügend Zeit für die Kinder. Denn in seiner Zeit zu Hause kann er sich wirklich voll auf die Kinder einlassen und  einfach nur eine intensive Zeit mit ihnen verbringen.

Mir hingegen gefiel das Leben mit Kind von Anfang an und ich ging vollends in meiner neuen Rolle auf. Dann kündigte sich unser Sohnemann an und uns war klar: So, wie es jetzt ist, bleibt es auch ersteinmal! Denn ich finde es unglaublich schön, so viel Zeit mit unseren Kindern verbringen zu dürfen. Ich genieße jeden Tag mit ihnen und ehrlich gesagt empfinde ich es auch als sehr entlastend, mich nicht zwischen Kindern und Beruf “zerteilen” zu müssen.

Den inneren Drang, mir etwas beweisen zu müssen habe ich nicht und ich benötige meine berufliche Tätigkeit auch nicht, um mein Ego aufzupolieren. Vielleicht, weil ich meine gesteckten Ziele bereits erreicht habe? Ich hatte mir ja bereits bewiesen, was ich erreichen kann, wenn ich es nur will!

Und die Sache mit dem Haushalt?

Nun, natürlich übernehme ich den mit Abstand größten Teil davon. Empfinde ich es als herabwürdigend, täglich aufzuräumen, zu kochen, die Dreckwäsche zu machen und den Garten zu pflegen? Denn -hey- immerhin habe ich jahrelang studiert, weiß so ziemlich alles über humane Erythrozyten und habe einen Doktor in Biophysik? Ich könnte eine Stelle mit Personalverantwortung haben, eigenes(!) Geld verdienen und täglich schicke Klamotten tragen! Stattdessen putze ich das Haus, koche und hüte die Kinder.

Soll ich euch hierauf eine ehrliche Antwort geben? Nein, ich empfinde es nicht als “unter meiner Würde”, all diese Dinge zu tun. Sicherlich ist dies auch zu einem Großteil meiner persönlichen Einstellung sowie meinem Charakter geschuldet. Aber um glücklich und zufrieden zu sein, brauche ich in erster Linie meine Familie um mich sowie eine Aufgabe, die mich vollends auslastet und richtig fordert. Und dies tut das Leben als Hausfrau und Mama mit Sicherheit 🙂 Auch mag ich die pauschalisierende Aussage nicht besonders, dass es zu Hause mit den Kindern langweilig wird oder man “verblöden” würde. Es kommt sicher eher darauf an, wie man dieses Leben gestaltet.

Stecke ich nun hinter meinem Mann zurück?

Ich persönlich habe nicht das Gefühl, auf etwas zu verzichten. Mein Job und auch mein beruflicher Ehrgeiz hatten seine Zeit – und es war eine gute Zeit und es hat mir viel Spaß gemacht. Nun ist die Zeit der Kinder und meines neuen “Jobs”. Diese Zeit erlebe ich ganz intensiv und koste sie voll aus. Und in ein paar Jahren wird diese Zeit vorbei sein und es kommt etwas Neues. Und auch darauf bin ich schon gespannt!

Also nein, für mich ist es kein Zurückstecken. Für mich fühlt es sich eher an, als hätte ich das große Los gezogen.

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Wie seht ihr dieses Thema? Habt ihr das Gefühl, dass bei euch einer zurückstecken muss? Oder gar beide? Oder habt ihr für euch das ideale Modell gefunden und seid zufrieden damit, wie es läuft? Lasst uns doch gerne an eurem Lebensentwurf teilhaben!