Achtung! Der folgende Beitrag kann Spuren von Sarkasmus enthalten. Lesen erfolgt auf eigene Gefahr!

Ob Hausfrau oder Working Mum. Man macht es auf jeden Fall verkehrt.

Nun bin ich bereits seit gut vier Jahren Hausfrau und wir leben dieses veraltete, nicht mehr zeitgemäße und sicherlich auch irgendwie gefährliche(!) traditionelle Familienmodell. Da wir eigentlich sehr zufrieden sind und unser Leben auch ziemlich rund läuft, stellt sich natürlich die Frage, weshalb man zu dem Eindruck gelangen könnte, dass man irgendwie ziemlich bescheuert sein muss, sich für dieses Rollenmodell  zu entscheiden. Nun, führt man sich die Kommentare vor Augen, die man im Lauf der Zeit als Hausfrau so sammeln durfte, könnte man ernsthaft zu folgendem Eindruck gelangen: So ein bisschen doof muss man ja schon sein, wenn man sich freiwillig für dieses Familienmodell entscheidet. Oder zumindest mal ein bisschen “anders”.

Einer Freundin, die ihren Sohn bereits früh in die Ganztagesbetreuung gegeben hat um wieder in Vollzeit arbeiten zu können, ergeht es übrigens nicht wirklich besser. Sie hört mehr oder weniger die gleichen Kommentare – nur eben genau anders herum. Die Kommentare bezüglich Vollzeitjob und Kinderbetreuung hinterlassen bei ihr jedoch genau den gleichen faden Nachgeschmack wie die Kommentare, die ich mir in meiner Rolle als “promovierte Hausfrau” bereits anhören durfte.


Fazit: Es ist also egal, wie man es macht. Man macht es auf jeden Fall verkehrt. Das ist doch schon mal gut zu wissen!

“Entschuldigung, aber hatte ich danach gefragt?”

Sicherlich kennt ihr auch diese Sprüche, die einem von den lieben Mitmenschen bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit um die Ohren gehauen werden. Obwohl man eigentlich gar nicht danach gefragt hat, wird einem die Meinung seines Gegenübers knallhart, schonungslos und offen präsentiert. Oft beginnen diese Sätze dann mit einem Stirnrunzeln und der Aussage “Hm, SO machst du das, ja? Also ICH …” und dann folgt die Begründung, weshalb man das auf keinen Fall so machen könnte / würde / sollte wie wir.

Und – ganz ehrlich? Es muss ja auch nicht jeder so machen wie wir, ne? Nur weil eine Entscheidung, ein Modell oder eine Sichtweise für uns passt, heißt es doch noch lange nicht, dass sie auch für andere passen muss. Und wenn sich jemand für einen anderen Weg entscheidet und alle Beteiligten sind glücklich damit – dann ist das doch super. Herzlichen Glückwunsch! Und ich bin ja fest davon überzeugt: Wer mit sich und seinen Entscheidungen im Reinen ist, muss andere weder kritisieren, noch verspürt er den dringenden Impuls, sich ständig zu rechtfertigen.

Aber jetzt wünsche ich euch erstmal viel Spaß 😉 Denn ich habe sie für euch gesammelt …

Meine Top 12 der nervigsten Sprüche, die man sich als Hausfrau so anhören darf:

1. “Ich könnte das nicht. Also ICH hätte ja Angst, zu Hause zu verblöden.” Ich hatte ja auch Angst, dass ich zu Hause verblöde. Daher habe ich vorher noch schnell meinen Doktor in Biophysik gemacht. Ich dachte mir, so kann ich der Verblödung, die mich dann zu Hause erwartet, zumindest etwas vorbeugen.

2. “Das ist JETZT ja alles gut und schön. Aber was ist, wenn …?” Ich richte mein Leben prinzipiell nicht nach “Was wäre wenn?” aus. Denn dann würde ich mich von Ängsten leiten lassen. Und Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Natürlich macht es Sinn, einige Eventualitäten durchzudenken und sich abzusichern. Jedoch sollte man sich in seinem Leben (nach Möglichkeit) von seinen Wünschen und nicht von seinen Ängsten leiten lassen.

3. Auszug aus einer Hater-Mail: “Geh du mal lieber arbeiten!” Nö. Kümmere du dich mal lieber um deine eigenen Probleme 😉

4. “Macht es dir so gar nichts aus, finanziell von deinem Mann abhängig zu sein?” Nein, denn bislang habe ich mein Taschengeld noch immer anstandslos und in vollem Umfang erhalten. Aber ernsthaft: Wir verstehen uns als Team. Er arbeitet auswärts und verdient den Familienunterhalt. Ich kümmere mich um die Kinder und “das bisschen Haushalt”. Wir stemmen das “Projekt Familie” gemeinsam. Jeder auf seine Weise. Und verfügen beide gleichberechtigt über unser gemeinsames Geld. It’s that simple!


5. “Mir würde die Decke auf den Kopf fallen, wenn ich den ganzen Tag zu Hause wäre.” Oh ja, mir auch!

6. “Und was ist mit später, wenn die Kinder einmal größer sind und du keine Aufgabe mehr im Leben hast?” Wir leben im Hier und Jetzt. Es ist gut möglich, dass dieses “Später” niemals kommen wird. Ich hoffe jedoch, dass ich es erleben werde. Und sicher – die Kinder werden schnell größer und werden beginnen, ihr eigenes Leben zu leben. Zumindest hoffe ich das doch mal stark 😉 Aus welchem Grund sollte man dann keine Pläne mehr im Leben haben? Vielleicht, weil man im Lauf der Zeit dann doch zu Hause “verblödet” ist?

7. “Und wofür hast du dann studiert?” Damit ich die Fragen meiner Tochter “Und wie machen Blutplättchen das eigentlich genau, dass sie miteinander verkleben und eine Wunde verschließen?” und “Wenn Antikörper körperfremde Bakterien angreifen, weshalb sterben diese Bakterien dann ab?” beantworten kann.

8. “Und wofür hast du dann deinen Doktor gemacht?” Einzig und allein aus dem Grund, damit ich beim Arzt, der mich belehrte “Ich bin nicht der Herr Müller, sondern der Herr Dr. Müller!” ganz genüsslich sagen konnte: “Ok, dann bin ich jetzt auch nicht mehr die Frau Wagner, sondern die Frau Dr. Wagner!”

9. “Das muss man sich halt auch erstmal leisten können.” Ja, das stimmt. Es geht nicht bei jedem. Ganz klar! Als wir jedoch vor einigen Jahren die Entscheidung getroffen haben, dieses Lebensmodell zumindest versuchsweise auszuprobieren, war unsere finanzielle Situation noch eine ganz andere. Und da haben wir das Folgende gemacht, um unseren Wunsch umsetzen zu können: nämlich zahlreiche Abstriche.

10. “Mir wäre das zu langweilig.” Das mag sein. Mir eben nicht.

11. “Eine Frau, die den ganzen Tag nur zu Hause ist und kein eigenes Leben hat, wird doch irgendwann langweilig für den Mann!” Das ist in etwa so intelligent wie die Aussage: “Kein Mann will eine Frau, die Karriere macht und ihre Kinder den ganzen Tag abschiebt”. Erstens hat man durchaus ein eigenes Leben, auch wenn man “nur” zu Hause ist. Und ob man für den Partner langweilig wird (oder nicht), liegt dann doch definitiv an ganz anderen Faktoren. Also bitte …

12. “Irgendwann rutschst du ab in die Altersarmut und dann muss die Gemeinschaft für dich zahlen.” Nee, wir machen einfach noch ein paar Kinder und die dürfen mich dann reihum betreuen, wenn ich mal alt und klapprig bin. Die werden sich doch bestimmt freuen, wenn sie sich um die alte Muddi kümmern dürfen … Seriously: Oft hat man vor den Kindern schon Rentenpunkte gesammelt. Kinderbetreuungszeiten werden ebenfalls angerechnet. Und man sollte sich definitiv(!) privat absichern. Das ist meiner Meinung nach heutzutage absolut unerlässlich. Ob man nun vorhat, eine Zeit lang zu Hause zu bleiben oder nicht. Bleiben mein Mann und ich bis ins hohe Alter zusammen, was ich doch sehr hoffe, stellt sich diese Frage sowieso nicht. Dann werden unsere Bezüge wieder unser gemeinsames Geld sein. So, wie es das heute auch schon ist.


Wow – da ist echt einiges zusammen gekommen, wenn ich mir das jetzt so durchlese 😉 Was durftet ihr euch eigentlich schon so an “tollen” Kommentaren anhören? Lasst uns doch auch daran teilhaben 😉 und hinterlasst gerne eine Nachricht in den Kommentaren!