Dieser Artikel ist hervorgegangen aus meinem kürzlich veröffentlichten Beitrag Die außerklinische Geburt: Eine risikoreiche Entscheidung oder die bessere Alternative? Denn zu besagtem Artikel, in dem ich hauptsächlich Fakten und statistische Daten miteinander verglichen habe,  haben mich erfreulicherweise(!) so unglaublich viele Kommentare, Mails und Anmerkungen erreicht, dass ich einfach noch einige Dinge und Infos einfügen musste. Allerdings erreichte der Artikel mit weit über 2000 Wörtern schließlich eine Länge, die einfach zu umfangreich war. Also habe ich den Artikel etwas überarbeitet und aufgeteilt. 

Den Artikel mit statistischen Fakten rund um außerklinische Geburt versus Klinikgeburt findet ihr nach wie vor hier (klickt einfach auf das Bild!):
Hand Baby Geburtshaus

Und über die persönliche Entscheidung, weshalb sich jemand (also wir 😉 ) für eine außerklinische Geburt im Geburtshaus entscheidet, verrate ich euch nun im Folgenden!

1) Weshalb überhaupt eine außerklinische Geburt?

Die Frage ist berechtigt: Weshalb strebt man überhaupt eine Geburt außerhalb eines Krankenhauses an, wenn man stattdessen doch auch den Luxus und die Sicherheit einer perfekten medizinischen Rundumversorgung in einer Klinik genießen könnte?

Bei uns verhält es sich damit wie bei vielen anderen, die eine außerklinische Geburt einer Entbindung im Krankenhaus vorziehen. Die persönlichen Argumente gegen eine Klinikgeburt sind bei den meisten oft recht ähnlich und der Grundtenor ist meist derselbe:

  • Man möchte sein Kind in einer angenehmen Umgebung / Atmosphäre bekommen (und damit meine ich jetzt nicht das bequeme Gebärbett oder die leuchtenden LED-Lampen an der Decke).
  • Man möchte sein Kind in Anwesenheit einer bekannten und vertrauten Person bekommen.
  • Man möchte durchgehend von einer Person betreut werden und nicht dem Schichtwechsel in der Klinik ausgesetzt sein (Anmerkung zu diesem und dem vorangegangenen Punkt: Es gibt in unserer Gegend uns KEINE Beleghebammen mehr!!!)
  • Man möchte der Klinikroutine entgehen und seine Geburt nicht dem “Schema F” unterwerfen müssen (der Muttermund hat sich innerhalb einer bestimmten Zeit zu öffnen, die Austreibungsphase darf so und so lange dauern, nach Blasensprung verbleiben x Stunden bis zur Geburt, etc.).
  • Man möchte gewisse unangenehme Prozeduren nicht über sich ergehen lassen (Legen eines intravenösen Zuganges, prophylaktischer Dammschnitt, künstliches Eröffnen der Fruchtblase, prophylaktische Kontrollen des Muttermundes, Dauer-CTG, etc.).
  • Man möchte Eingriffe vermeiden, die (in vielen Fällen, allerdings nicht immer!) vermeidbar sind und lediglich eine “Interventionskaskade” nach sich ziehen.

2) Basics zur außerklinischen Geburt

Hausgeburt vs. Geburtshaus

Erwähnt man den Begriff “außerklinische Geburt”, so denken viele üblicherweise zuerst einmal an eine Hausgeburt. Und bei der klassischen Geburt in den eigenen vier Wänden handelt es sich auch sicherlich um die bekannteste Form der außerklinischen Entbindung.

Neben der Hausgeburt besteht jedoch auch die Möglichkeit, sein Baby in einem Geburtshaus zur Welt zu bringen. Hierbei handelt es sich um eine hebammengeleitete Einrichtung, in der ebenfalls eine Entbindung außerhalb des üblichen “Klinikprozederes” möglich ist. Geburtshäuser befinden sich üblicherweise in unmittelbarer Nähe zur nächstgelegenen Klinik und bieten vielleicht ein etwas größeres Maß an “Sicherheit” – sofern man dies denn persönlich benötigt.

Weshalb wir uns (wieder) für das Geburtshaus entschieden haben

Als wir uns nach der Klinikgeburt unseres ersten Kindes beim zweiten Kind für eine Geburt im Geburtshaus entschieden haben, reichten die üblichen Reaktionen von ratlos bis hin zu erschrocken oder leicht panisch. “Wie kann man nur so leichtsinnig sein???” war jedoch der übliche Tenor.

Mama und Kind haben die Entbindung im Geburtshaus jedoch nicht nur ohne größeren Schaden 😉 überstanden, sondern das Ganze auch noch als sehr unkompliziert und -ich möchte fast sagen- angenehm erlebt. So, wie wir es im Vorfeld auch erwartet hatten.

Daher wird uns jetzt, kurz vor der Geburt des dritten Kindes, paradoxerweise meist folgende Frage gestellt: Und wieso bleibt ihr diesmal dann eigentlich nicht gleich ganz zu Hause? Wäre das nicht einfacher?”

Nun, das ist leider nicht möglich. Machen wir es an dieser Stelle einfach kurz und schmerzlos und verbuchen es unter “einfach blöd gelaufen”:

Es gibt bei uns nicht nur keine Beleghebammen mehr, sondern auch keine Hausgeburtshebammen mehr. Dafür gibt es im ganzen Umland noch eine einzige(!) Klinik, die (verteilt auf zwei Standorte) eine Entbindungsstation besitzt.  

Gemäß einer Aussage der früheren Parlamentarischen Staatssekretärin im Gesundheitsministerium vom 20.06.2016 ist jedoch “die Einschätzung, dass Frauen keine freie Wahl bei der Ort der Geburt hätten, nicht zutreffend” (1). Das Grundrecht auf eine freie Wahl des Geburtsortes sei somit gesichert. Na, dann ist ja alles gut, ne?

Baby und Storch Geburtshaus

3) Wie stellt man sich ein Geburtshaus nun eigentlich vor?

An dieser Stelle möchte ich kurz beschreiben, inwiefern die Sicherheit in dem von uns gewählten Geburtshaus garantiert wurde und was mich persönlich auch direkt überzeugt hat:

Das Geburtshaus befindet sich im Krankenhaus. Und doch ist es komplett unabhängig von ihm. Es befindet sich in den Räumlichkeiten der ehemaligen Entbindungsstation, die vor mehreren Jahren geschlossen und nun von der leitenden Hebamme des Geburtshauses angemietet wurden. Bei akuten Notfällen (Notkaiserschnitt, etc.) kann die Infrastruktur des Krankenhauses genutzt werden.

Man wird durchgängig, persönlich und individuell betreut. D.h. zunächst hat man eine 1:1 Betreuung durch “seine” Hebamme. Üblicherweise wird, kurz bevor das Baby zur Welt kommt, eine zweite Hebamme hinzugerufen. Dann hat die Schwangere eine 2:1 Betreuung. Der mit dem Geburtshaus kooperierende Gynäkologe ist in Rufbereitschaft bzw. auf Wunsch auch anwesend. In diesem Fall hätte man dann eine 3:1 Betreuung. Eine durchgängige und intensive Betreuung durch Personen, die einen bereits in der Schwangerschaft kennengelernt haben, ist mir hierbei persönlich lieber als eine Betreuung durch eine mir völlig unbekannte Krankenhaushebamme, die neben einem selbst wahrscheinlich noch zwei weitere Entbindungen begleiten muss.

Man ist auf Notfälle vorbereitet. Sollte wider Erwarten ein akutes medizinisches Problem auftreten, welches beispielsweise einen Dammschnitt oder eine Saugglocken- bzw. Zangenentbindung nötig machen würde, kann dies ohne Schwierigkeiten vor Ort durchgeführt werden.

Die leitende Hebamme ist relativ streng. Zumindest hinsichtlich der Aufnahmekriterien. Es gibt zahlreiche “Ausschlusskriterien”, die dazu führen, dass man erst gar nicht für die Geburt aufgenommen wird. Was -meines Erachtens nach- auch sehr vernünftig ist.

Geschwister dürfen mitgebracht werden. Hat man keine Verwandten oder engen Freunde in greifbarer Nähe und weiß, dass die Geburt sehr, sehr schnell gehen wird, steht man vor einem Problem: Wohin mit den älteren Geschwistern? In unserem Geburtshaus dürfen ältere Geschwister einfach mitgebracht werden. Sie können, wenn es für alle Beteiligten okay ist, bei der Geburt dabei sein oder alternativ im geburtshauseigenen Schlafzimmer ruhen oder spielen.

Man entbindet ambulant. Das heißt, man geht nach ca. drei bis vier Stunden gemeinsam wieder nach Hause und entspannt gemütlich mit den Kindern auf der Couch, während der beste Ehemann von allen in der Küche etwas Leckeres zu essen kocht 😉

4) Fazit

In der Überschrift hatte ich die Frage gestellt, weshalb man zur Geburt denn ins Geburtshaus geht und nicht in eine Klinik. Ich denke, der Artikel dürfte diese Frage hinreichend beantworten 😉

Ich fasse es allerdings auch gerne noch einmal zusammen: Ich persönlich würde mein Kind eher in der dunklen Besenkammer des Geburtshauses bekommen, dafür aber in Begleitung “meiner” Hebamme, als (nochmals) die einzig verfügbare Klinik mit superduper Hightech-Gebärbett und “stimmungsvollen LEDs” an der Decke aufzusuchen.

Ähnliche Artikel findet ihr übrigens hier:

Die außerklinische Geburt: Eine risikoreiche Entscheidung oder die bessere Alternative?

Wie hoch ist das Risiko für eine Fehlgeburt in den ersten 12 Wochen wirklich?


Anmerkungen, Fragen, persönliche Erfahrungen oder auch Kritik 😉 könnt ihr gerne in den Kommentaren loswerden. Oder ihr könnt mich -falls euch das Thema zu persönlich ist- auch jederzeit gerne unter aktivmitkindern@yahoo.com kontaktieren!

(1) Deutscher Bundestag, Petitionsausschuss/Ausschuss – 20.06.2016 (hib 374/2016), “Grundrecht auf freie Wahl des Geburtsortes”, https://www.bundestag.de/presse/hib/201606/-/428662