„Geborgene Kindheit“ – bindungsorientierte Elternschaft über die Babyzeit hinaus.

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Als wir vor gut vier Jahren zum ersten Mal Eltern geworden sind, liefen viele Dinge so ganz anders, als wir uns das zunächst vorgestellt hatten. Ist man kinderlos, hat man ja seine Vorstellungen davon, wie Babys gemeinhin „ticken“ und wie das Leben mit so einem kleinen Wesen aussehen wird. Wir hatten uns informiert, alles bestens geplant und Gedanken darüber gemacht, wie wir unseren Nachwuchs erziehen würden.

Unser Baby kam zur Welt und es kam natürlich alles ganz anders, als wir es uns naiverweise vorgestellt hatten 😉 Um den Alltag möglichst reibungslos zu meistern folgten wir unserer Intuition und fanden uns plötzlich auf einem Weg wieder, den man als Attachment Parenting oder auch ‚bindungsorientierte Elternschaft‘ bezeichnet.

„Geborgen wachsen“ – ein herzerwärmender Blog mit Fokus auf das Wesentliche

Wir lebten also unser neues Leben und fühlten uns etwas seltsam, da wir viele Dinge so anders machten, als „man es eben tut“. Und dann lebten wir auch noch entgegen aller Ratschläge, die man gemeinhin mit dem ersten Kind gratis von überall her erhält …

Den Blog „Geborgen wachsen“ von Susanne Mirau hatte ich glücklicherweise bereits zeitig entdeckt und ihre Texte regelrecht verschlungen. Denn sie schrieb da über all das, was wir taten – und sie erklärte, weshalb es gut und natürlich war, die Dinge genau so zu machen. Weshalb daran nichts Verwerfliches war und dass wir unser Kind nicht „verziehen“ würden. Wir hatten lediglich den bindungsorientierten Weg eingeschlagen. Dies war gut so – für unser Kind und auch für uns.

Ihre Blogbeiträge sowie ihr erstes Buch haben uns immer wieder neue Sichtweisen eröffnet, uns Mut gemacht und uns darin bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Umso erfreuter war ich natürlich, dass nun auch noch ein zweites Buch von ihr erschienen ist! 🙂

„Geborgene Kindheit“ – über bindungsorientierte Elternschaft im Kleinkindalter

Ist das Kind erst einmal den Babyschuhen entwachsen, ergeben sich plötzlich völlig neue Situationen im Alltag, welche die Eltern vor ganz neue Herausforderungen stellen. Das Kind ändert sich, die äußeren Umstände ändern sich und man muss für viele Dinge plötzlich neue Ansätze finden. Was sich jedoch nicht ändert sind die grundlegenden Bedürfnisse des Kindes sowie sein Recht auf ein respektvolles Miteinander.

Susanne Mirau gibt zahlreiche Tipps, wie man auch mit Kleinkindern den  bindungsorientierten Weg fortsetzen kann. Sie betont, dass bindungsorientierte Elternschaft nichts mit „verwöhnen“ oder den gemeinhin verschrieenen „Helikoptereltern“ zu tun hat. Sie hebt die Wichtigkeit von gegenseitigem Vertrauen und Respekt hervor. Auch ermuntert sie uns, unsere Kinder stets wohlwollend und mit einem positiven Blick zu betrachten. Ein wichtiger Hinweis, der uns daran erinnert, uns nicht permanent auf die förderungsbedürftigen „Mängel“ unserer Kinder zu konzentrieren.

Mit ihrem charakterisitischen Schreibstil sowie ihrer gewohnt liberalen Art gibt die Autorin zahlreiche Tipps für die Umsetzung bindungsorientierter Elternschaft im Alltag. Neben den klassischen Grundpfeilern des Attachment Parenting wie Schlafen, Ernährung und Trockenwerden, geht sie auch auf Dinge wie Kommunikation, Lernen, Entwicklung der Motorik und Aufwachsen in der Gemeinschaft ein. Dinge, die nach dem Babyalter eine zunehmend wichtigere Rolle im Leben unserer Kinder spielen.

Was ich sehr erfrischend finde ist ihre generelle Sichtweise auf Kinder, welche fernab von allen gängigen Klischees über ungezogene und tyrannische Kleinkinder ist und einzig und allein die kleinen Menschen und ihre Bedürfnisse in den Vordergrund stellt.

Das Buch: Einfach nur schön.

Anders kann ich es nicht beschreiben. Ein Buch, das sich gut lesen lässt, übersichtlich gegliedert wurde und sehr viele der tollen Fotos enthält, die man von Susannes Blog kennt und gewohnt ist. Ich habe das Buch in einer einzigen Nacht durchgelesen – das hat mich zwar einige Stunden an Schlaf gekostet, aber ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen 🙂

Was mich persönlich besonders gefreut hat war die Tatsache, dass auch auf das Thema „kindergartenfrei“ eingegangen wurde.

Fazit: Das Buch hat mich darin bestärkt, unseren eingeschlagenen Weg weiter fortzusetzen. Und es hat mir in einigen Punkten eine neue Sichtweise auf meine Kinder eröffnet. Ich betrachte einige Dinge nun in einem anderen Licht. Und dafür bin ich Susanne und ihrer Arbeit, die sie mit ihrem Blog leistet, sehr dankbar.

Geborgene Kindheit von Susanne Mirau, 176 Seiten, Kösel-Verlag, 16,99 Euro.

 

 

 

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