Ich will das jetzt einfach nicht hören! Über ungebetene Ratschläge und nervige Besserwisser.

Es gibt ziemlich genau zwei Dinge, die dazu führen, dass man von (eigentlich) fremden Personen ‚gut gemeinte‘ Ratschläge erhält oder fürsorglich darauf hingewiesen wird, dass man doch ganz offenbar etwas furchtbar verkehrt mache: Wenn man mit einem kleinen süßen Hundewelpen unterwegs ist oder mit einem kleinen süßen Menschenkind. Beide Situationen sind mir durchaus geläufig.

Offenbar gilt es, diese putzigen, unschuldigen Wesen vor dem schädlichen Einfluss ihrer Betreuungspersonen zu bewahren. Die sind nämlich prinzipiell nicht dazu in der Lage, sich um diese hilflosen Geschöpfe zu kümmern und sicherlich dankbar für jeden Rat, den sie von außen bekommen können, oder?

„Woran man erkennt, dass ich einen Ratschlag hören möchte? Ich habe danach gefragt …“ (Redewendung)

Es gibt sie ja, diese Menschen, die zu allem und jedem ihre Meinung äußern müssen. In jeder passenden (oder unpassenden) Gelegenheit klatschen sie einem ihren Senf zu einem bestimmten Thema vor die Nase. Egal, ob man dies nun hören möchte oder nicht. Egal, ob man gerade in der Stimmung ist, über ein bestimmtes Thema zu diskutieren oder nicht. Egal, dass man vielleicht gerade die drölfzigste schlaflose Nacht hinter sich hat, zu Hause das Chaos regiert und man einfach keine Lust auf irgendwelche Meinungen oder Ratschläge hat.

Ungebetene Ratschläge zu erhalten kann wirklich unglaublich lästig sein. Üblicherweise wird die persönliche Meinung dann ja auch nicht als eigene Sichtweise auf die Dinge geäußert, was ja noch irgendwie okay wäre, sondern als der Weisheit letzter Schluss verkauft. Uff.

„Sie MÜSSEN das Kind mit dem Gesicht nach vorne in die Trage setzen.“ (Eine gratis Trageberatung im Kleiderladen, als ich eigentlich nach einer Hose gefragt hatte).

„Ihr Junghund MUSS mit Artgenossen spielen dürfen! Er wird sonst sozial gestört! SIE sind dann schuld, wenn er nicht sozialisiert wird und irgendwann ihre Kinder beißt!“ (Als ich meine neunjährige(!) Hündin nicht mit einem dahergelaufenen Kläffer habe spielen lassen).

„Kinder, die nicht im Kindergarten sind, haben gegenüber ihren Altersgenossen einen Nachteil durch mangelnde Förderung, der sich NIE WIEDER ausgleichen lässt!“  (An der Kasse im Supermarkt. Okay, der völlig fremde Herr konnte ja nicht wissen, dass ich meine kindergartenfreien Kinder täglich zwei Stunden zu Hause am Tisch festbinde. Und sie erst spielen dürfen, wenn ihre Arbeitsblätter in „Biophysik für Kleinkinder“ und „Frühkindchinesisch“ vollständig ausgefüllt sind *Achtung: Ironie*).

„Ratschläge sind auch Schläge.“ (Deutsches Sprichwort)

Nicht, dass wir uns jetzt an dieser Stelle falsch verstehen: Jeder darf gerne seine eigene Meinung haben. Ich bin sehr dankbar dafür, in einem Land zu leben, das jedem eine eigene Sichtweise sowie das freie Äußern derselbigen gestattet. Eine Tatsache, die nicht überall auf der Welt vorherrscht. Eigentlich ein Grundrecht, aber doch auch wieder ein Luxus.

Allerdings möchte ich diese ‚eigene Meinung‘ eines Außenstehenden, welche auch unglaublich gerne als allgemeingültige Tatsache verkauft wird, vielleicht nicht unbedingt gerade dann hören oder darüber diskutieren, wenn ich mit Flecken auf den Klamotten, zwei quengeligen Kleinkindern an der Hand und Sturmfrisur auf dem Kopf sowieso schon entnervt in irgend einem Laden an der Kasse stehe. Und schon den ganzen Tag lang einfach nur versucht habe, irgendwie zu überleben. Habt Ihr Kinder? Dann kennt ihr das!

„Die meisten Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.“ (Amerikanisches Sprichwort)

Die Sache sieht natürlich gleich ganz anders aus, wenn man jemanden gezielt nach seiner Sichtweise gefragt hat. Sitzt man in gemütlicher Runde mit Bekannten zusammen und diskutiert oder stellt von mir aus einen Blogbeitrag zu einem bestimmten Thema online ;), so sind die verschiedensten Meinungen natürlich ausdrücklich erwünscht! Ich höre mir gerne andere Sichtweisen an und ich mag es, dazu angeregt zu werden, Dinge auch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Vielleicht gibt es ja Aspekte, welche ich bislang aus Unwissenheit einfach noch nicht beachtet habe? Oder Punkte, zu denen ich eine Meinung hatte, die ich aufgrund der Erfahrung eines anderen aber auch gerne reflektiere und meine Einstellung dazu schlussendlich revidiere?

Auch konstruktive Kritik mag ich. Gut durchdacht und respektvoll vorgebracht ist sie etwas, das einen im Leben unheimlich weiterbringen kann. Man sollte auch definitiv dazu in der Lage sein, diese anzunehmen und gegebenenfalls zu überdenken. Ja, das ist jetzt meine persönliche Sichtweise und Meinung hierzu 😉

„Sind die eigentlich Experte auf diesem Gebiet?“

Aber von mehr oder weniger fremden Personen ungefragt „gut gemeinte“ Ratschläge zu erhalten, die teilweise auch einfach nur unglaublich unqualifiziert sind … Entschuldigung, aber das geht mir meistens einfach nur auf den Zeiger. Ganz ehrlich. Ich. will. das. nicht. hören. Und es gibt auch einfach Situationen, in denen ich mich solchen Meinungsäußerungen und Diskussionen gar nicht aussetzen will. Weil ich nicht gut geschlafen habe. Weil ich zu viel um die Ohren hatte. Weil ich am Morgen mit den Hauspantoffeln in Hundekacke getreten bin. Und vielleicht einfach nur in Ruhe Brötchen und Bananen kaufen möchte.

„Dies ist also des Pudels Kern …“ (J.W. von Goethe, aus: Faust I)

Was steckt eigentlich hinter diesen ungefragt erteilten Ratschlägen? Diesen Besserwissereien, die geäußert werden, da man etwas offenbar anders macht als die äußernde Person es selbst machen würde? Nun, oft ist es sicherlich einfach eine gewisse Unsicherheit, die da zum Vorschein kommt.

Kritisiert man jemanden dafür, dass er etwas anders macht, versucht man hierdurch, das eigene Handeln zu rechtfertigen und aufzuwerten. Indem man den anderen abwertet. Das Selbstwertgefühl wird gepusht und die jeweiligen Personen fühlen sich dadurch besser. Dass sie sich vielleicht einfach nur unbeliebt machen oder sogar blamieren, merken sie oft nicht.

Allerdings hilft mir diese Sichtweise, besser mit solch unnötigen Kommentaren umzugehen. Früher habe ich mir solche Äußerungen zugegebenermaßen (zu) sehr zu Herzen genommen. Heute kann ich darüber hinwegsehen. Je nach Stimmung nervt es halt einfach. Und es wäre schön, wenn solch ein Dr. Rechthaber seine klugen Weisheiten einfach öfter mal für sich behalten könnte …



Kennt ihr das Problem? Regt euch sowas manchmal auch einfach nur auf? Oder habt ihr die Nerven, immer und zu jeder Zeit locker über ungefragte Ratschläge hinwegzusehen? Hinterlasst mir doch gerne eure „Top-Kommentare“, die ihr schon hören durftet, als Nachricht in den Kommentaren. Dann fühle ich mich vielleicht nicht so alleine mit dieser Sache 😉

 

Über aktivmitkindern (143 Artikel)
Mama zweier Kinder (*2013, *2015). Ursprünglich promovierte Naturwissenschaftlerin. Seit der Geburt des ersten Kindes nicht mehr in der Wissenschaft tätig, sondern Vollzeit-Kinderbespaßerin und Selbstbetreuerin.

17 Kommentare zu Ich will das jetzt einfach nicht hören! Über ungebetene Ratschläge und nervige Besserwisser.

  1. Ja. Ja. Ja.

    Als Mutter von Zwillingen (14 Monate) und einem fast Dreijährigen scheine ich geradezu prädestiniert zu sein für dummes Anquatschen. Mein Highlight: Dame um die 60 holt mich raschen Schrittes ein, fühlt (!!) am Schurwolleanzug meiner Tochter und plärrt, ob das nicht zu kalt sei, das Kind brauche doch eine Decke.

    Ich: „Habe ich aus Versehen die Null gewählt, dass Sie sich melden? Finger weg!“

    Ich war so sauer!!!!

    • Hallo,
      die Antwort war aber mal gut! 😃👍 Ich muss mit solche Sprüche mal merken, damit man im Fall der Fälle einen passenden Kommentar auf Lager hat …
      Liebe Grüße!

  2. Oh ja, wie Recht du doch hast. Und ja, je nach Stimmung sind mir entsprechende „Ratschläge“ völlig egal oder regen mich total auf. Die dritte Variante liebe ich aber am meisten und freue mich, wenn ich in dieser Stimmung bin: einfach schnell und keck irgend einen passenden Retour-Ratschlag auf den Lippen bereit haben… 🙂
    Lg, Stefan

  3. Ich glaube, nur wenige Dinge stören mich so sehr wie ungefragte Ratschläge. Ich kann dir also sehr gut nachfühlen! Aaaaargh!

    Liebe Grüße
    Kat van Himbeeren | http://vanhimbeeren.de

  4. Liebe Lisa,

    super Blogpost! Oh, ja ich kenne diese Dinge sehr gut 😉 … spätestens wenn man Kinder bekommt, macht man Bekanntschaft mit diesem Phänomen. Wirklich jeder kommt mit Ratschlägen daher und weiß alles besser … und mir ist das immer auf die Nerven gegangen. Auch der Fraktion der „Übermamis“ im Kindergarten gehe ich lieber aus dem Weg. Lieber hole ich mir Ratschläge von Menschen, von denen ich welche haben will!

    Liebe Grüße und schönen Abend!
    Verena

  5. Ugh! Da kann ich dir hundertprozentig zustimmen! Diese Ratschläge, die einfach dumm und unpassend sind gehen mir wirklich auf die Nerven!! Nein, also die Nerven habe ich dafür nicht

  6. ftuchscheerer2017 // 3. Mai 2017 um 12:26 // Antworten

    Toller Beitrag, gefällt mir deine Sichtweise. ich kann mich dem nur anschließen.
    LG Frank

  7. ja das mit den Ratschlägen ist immer so eine Sache. Ich habe schon verschiedenste Erfahrungen gemacht. Mitlerweile beschrenke ich mich auf zuhören und nur bei meinen guten Freunden komme ich mit einem Ratschlag um die Ecke. Oder wenn ich wirklich gefragt werde. LG Alex von http://www.margreblue.de

  8. Wo darf ich unterschreiben?

  9. Da hätte ich auch noch 2 schöne Zitate:
    “ Das Gegenteil von ‚gut‘ ist ‚gut gemeint.‘ “ (Kurt Tucholsky)
    “ Wenn du Hilfe brauchst, frag nach Hilfe. “ (Jethro Gibbs, Regel 28)

    Manchmal wünscht man sich auch einfach nur
    “ Gehe niemals ohne dein Messer irgendwo hin. “ (ebd., Regel 9) 😉

    Ich bin auch der Meinung, dass jeder seine Erfahrungen selbst sammeln muss und DIE richtige Lösung gibt es eh nicht.

  10. …. jetzt weiß ich auch, warum du ein Bild von dem Stopschild gemacht hast😜😃

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