Hallo ihr Lieben,

denkt man einmal etwas genauer darüber nach, so darf man das ja schon etwas bescheuert finden: Jährlich landen bei uns in Deutschland tonnenweise genießbare Lebensmittel im Müll.

Sie werden weggeworfen, da sie „optisch mangelhaft“ erscheinen, vermeintlich nicht mehr haltbar sind (die Sache mit dem MHD und so…) oder schlicht und ergreifend irgendwo übrig geblieben sind.

Lebensmittelverschwendung in Zahlen

Alleine in Deutschland landen auf diese Weise jährlich mehrere Tonnen an Lebensmitteln im Müll. Und bevor ich nun mit meinem eigentlichen Thema fortfahre (ich wollte hier über eine App berichten und schweife ab, ich weiß 😉 ), würde ich vorschlagen, dass wir uns die genauen Zahlen zur Lebensmittelverschwendung etwas genauer ansehen.

Je nach Quelle belaufen sich die Zahlen auf 11 bis über 18 Millionen Tonnen an Lebensmitteln, die pro Jahr im Müll landen (1, 2, 3). Dies entspricht einem Warenwert von unglaublichen 25 Millionen Euro, der jährlich „in die Tonne“ wandert (2).

Alleine auf Privathaushalte entfallen hiervon übrigens rund 4,4 bis 6,7 Millionen Tonnen (4, 5). Der Rest verteilt sich auf Hersteller, Landwirtschaft und Handel.

Laut WWF wären von diesen 18 Millionen Tonnen übrigens mehr als die Hälfte, nämlich 10 Millionen Tonnen, direkt vermeidbar. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass alleine in Deutschland 313 Kilo genießbarer Lebensmittel pro Sekunde(!) unnötigerweise im Müll landen (2).

Lebensmittelverschwendung – eine ökologische Katastrophe

Ökologisch betrachtet ist dies natürlich eine Katastrophe. Und alles andere als nachhaltig. Denn die Erzeugung von Lebensmitteln setzt den Verbrauch enormer Ressourcen voraus. Und werden die Lebensmittel dann einfach wieder entsorgt, wurden diese Ressourcen ganz einfach umsonst verschwendet.

Um es etwas zu verdeutlichen: Rund 820 Liter Wasser verbraucht ein Kilo Äpfel bis zu seiner Ernte. Die Erzeugung eines Kilo Rindfleisch erfordert den Einsatz von immerhin 15.420 Litern Wasser (6). Hinzu kommt selbstverständlich noch ein nicht zu unterschätzender Verbrauch an Energie sowie die Nutzung weiterer Rohstoffe.

Nicht zu vergessen auch die für die Produktion von Lebensmitteln benötigten Anbauflächen. Einer Schätzung zufolge werden rund 30% der weltweit verfügbaren Anbauflächen „umsonst“ genutzt, da die dort erzeugten Lebensmittel keine Verwendung finden (2).

Lebensmittel retten mit der App „Too good to go“

Lange Rede, kurzer Sinn 😉 Gerade auch in der Gastronomie sowie in Lebensmittelgeschäften fallen täglich große Mengen an Lebensmitteln an, die übrig bleiben und nicht mehr an den Kunden gebracht werden. Ein klarer Fall für die Tonne?

Nicht unbedingt, denn genau hier setzt die App „Too good to go“ an. Und das Prinzip ist eigentlich recht simpel:

-> Die teilnehmenden gastronomischen Betriebe bieten tagtäglich ihre überschüssige Ware an.

-> Der Kunde kann seine Portion zu einem Bruchteil des Ursprungspreises erstehen.

-> Lebensmittel, die im klassischen Tagesgeschäft nicht verkauft wurden, werden auf diese Weise doch noch „an den Mann“ gebracht und landen nicht unnötigerweise im Müll.

Sowohl Verkäufer als auch Konsument profitieren finanziell von diesem Deal und es entsteht eine klassische Win-win-Situation. Na, klingt das gut? 😉

Ein Croissant von der App Too good to go

Unsere Erfahrung mit „Too good to go“

Zugegeben – hier bei uns auf dem Land gestaltet sich der Einsatz von „Too good to go“ etwas schwierig. Es gibt hier bislang einfach kaum Betriebe, die teilnehmen. In Städten sieht es natürlich bereits ganz anders aus und während unseres Urlaubes in Berlin hatten wir natürlich ausgiebig Gelegenheit, die App zu testen! (Einen ersten Einblick findet ihr übrigens hier: klick).

Im Vorfeld hatten wir uns natürlich zwei Fragen gestellt. Funktioniert das Ganze wirklich so einfach? Und erhält man auch vernünftige Ware? Daher habe ich unsere bisherigen Erfahrungen hier einmal für euch zusammengefasst.

1) Wie funktioniert „Too good to go“?

  • Man lädt sich die App kostenfrei im App Store oder bei Google Play herunter. Im Anschluss erstellt man recht unkompliziert sein Profil und kann dann direkt loslegen. Die App zeigt alle in der Umgebung befindlichen teilnehmenden Lokalitäten an sowie Preis und Anzahl der jeweils verfügbaren Portionen.
  • Hat man sich für eine Portion entschieden, kann man sich diese ganz einfach reservieren und per App bezahlen (dies geht über Kreditkarte oder PayPal)
  • Zur angegebenen Uhrzeit begibt man sich zum jeweiligen Laden und holt seine Bestellung ab. Es genügt, den in der App hinterlegten Beleg vorzuzeigen.

2) Funktioniert das wirklich? Und wie ist die Qualität der Ware?

Ja, das funktioniert wirklich 🙂 Und bislang sind wir von der Qualität der Ware auch durchweg positiv überrascht gewesen! Egal ob Kuchen, belegte Baguettes oder komplette warme Mahlzeiten – die Speisen, welche wir erhalten haben, waren durchweg von sehr guter Qualität, in einwandfreiem Zustand und wirklich sehr lecker.

Meist konnten wir uns in der Auslage übrigens selbst ein Paket nach Wunsch zusammenstellen. Und da ich bislang immer die Kinder mit dabei hatte, durften die sich meistens noch etwas zusätzlich aussuchen 😉 Und ein nettes Gespräch mit den Mitarbeitern gab es meist noch obendrauf 🙂

3) Gibt es Kritikpunkte?

  • Ein Aspekt, den ich persönlich etwas schade finde ist die Tatsache, dass man die App gerade in ländlichen Regionen kaum nutzen kann. Geschuldet ist dies der Tatsache, dass es in diesen Gegenden bislang einfach kaum Betriebe gibt, die bei diesem Konzept mitmachen. Daher wäre es wünschenswert, dass die App weiter an Bekanntheit gewinnt und die Zahl der Partnerbetriebe steigt.
  • Es gibt oft nur ein relativ kurzes Zeitfenster, innerhalb dessen man die Ware abholen kann. Was allerdings ja auch logisch ist, da das komplette Prinzip darauf beruht, dass Läden ihre übrig gebliebenen Waren kurz vor Ladenschluss abgeben 🙂
  • Eine (vegan lebende) Freundin bemängelte, dass es lediglich einen Filter für vegetarische Angebote gäbe und noch keinen Veganfilter.

4) Sind die App und das Konzept empfehlenswert?

Absolut!!! Wir haben „Too good to go“ nun schon häufiger genutzt. Und werden es in Zukunft sicherlich noch wesentlich öfter tun!

Unser Fazit: Ein absolut tolles und sinnvolles Konzept im Kamp gegen die unnötige Verschwendung von Lebensmitteln! Und ein echter Gewinn für Betriebe und Kunden!

Die enorme Verschwendung noch genießbarer Lebensmittel ist doch ein Irrsinn, oder? Kanntet ihr „Too good to go“ bereits oder habt ihr die App vielleicht selbst sogar schon einmal benutzt? Oder berichtet doch mal, welche Wege ihr nutzt, um der Lebensmittelverschwendung Einhalt zu bieten!

Quellen:

(1) Bundeszentrum für Ernährung, https://www.bzfe.de/lebensmittelverschwendung-1868.html

(2) Verbraucherzentrale, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/auswaehlen-zubereiten-aufbewahren/lebensmittel-zwischen-wertschaetzung-und-verschwendung-6462

(3) WWF Deutschland, https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/das-grosse-wegschmeissen/

(4) Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, https://www.zugutfuerdietonne.de/warum-werfen-wir-lebensmittel-weg/wie-viel-werfen-wir-weg/

(5) Focus Online, https://www.focus.de/wissen/experten/lebensmittelverschwendung-landwirtin-wie-wir-mit-lebensmitteln-umgehen-ist-ein-skandal_id_9660738.html

(6) Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, https://www.zugutfuerdietonne.de/warum-werfen-wir-lebensmittel-weg/welche-folgen-hat-das/