Weshalb Kindergartenfrei manchmal auch nervt

Hallo ihr Lieben!

Die meisten von euch haben sicherlich mittlerweile mitbekommen, dass unsere Kinder keinen Kindergarten besuchen, da wir unsere Kinder selbst betreuen. Und wisst ihr eigentlich, welche Frage mir im Zusammenhang mit unserem kindergartenfreien Leben mit Abstand am häufigsten gestellt wird?

„Nervt euch dieses Leben nicht eigentlich auch manchmal? Ich meine, du hast deine Kinder schließlich wirklich IMMER um dich!“

Wenn ich mir das jetzt einmal ganz frei übersetze, kann man diese Frage auch folgendermaßen formulieren: Gehen dir deine Kinder nicht manchmal auch einfach auf die Nerven? Ich nehme diese Frage übrigens überhaupt niemandem übel, denn ist meiner Meinung nach absolut berechtigt und irgendwo auch nachvollziehbar. Und obwohl unser Alltag meist ziemlich rund läuft und wir mit unserer Lebenssituation wirklich sehr zufrieden sind, ist natürlich auch bei uns nicht immer alles rosarot oder perfekt organisiert. Schließlich leben wir hier ja auch (leider) nicht in Bullerbü und das Leben ist auch kein Ponyhof 😉

Daher zunächst einmal meine ehrliche Antwort: Ja, manchmal nervt dieses Leben auch. Je nach Stimmungslage und Laune manchmal auch ganz gewaltig. Und ich bin mir ziemlich sicher: So, wie mir die Kinder manchmal auf die Nerven gehen, gehe auch ich ihnen teilweise ziemlich auf den Geist. Weshalb sollte man dies nicht auch einfach mal zugeben dürfen? Alles andere wäre 1) nicht realistisch und 2) auch ziemlich unrealistisch.

Manchmal ist das Chaos einfach perfekt

Was ich auf der einen Seite total schön finde und auch wirklich schätze ist die Tatsache, dass die Kinder wirklich immer anwesend sind und folglich auch immer überall mit dabei sind. Ich mag das gerne und ich habe sie auch wirklich gerne um mich herum. Meistens 😉 Denn natürlich gibt es auch bei uns diese Tage, an denen es unglaublich turbulent zugeht und ich einfach mal gerne eine halbe Stunde lang meine Ruhe hätte. Oder zwei Stunden. Oder drei…

Oder ich habe einen Termin und wäre manchmal wirklich froh, wenn ich „einfach mal eben schnell“ und in Ruhe zu besagtem Termin fahren könnte. Denn „in Ruhe“ und „schnell“ sind einfach Dinge, die man mit Kleinkindern im Schlepptau schlichtweg vergessen kann. Ihr habt Kinder? Ja? Dann kennt ihr das.

Manchmal kann das halt einfach verdammt anstrengend sein. Und dann gibt es natürlich auch noch diese Tage, an denen zu Hause alles drunter und drüber geht, die Kinder das reine Chaos veranstalten, sich auch noch permanent in den Haaren liegen und zwischendrin brüllt dann auch noch das Baby. Es ist laut, alles fliegt durch die Gegend und ständig ist eines der Kinder am Schreien. Und irgendwann schreie ich dann auch. Ups. Nicht gut. Und zwar überhaupt nicht. Klassischer Mama Fail.

Selbstverständlich gibt es diese Tage. Auch bei uns. Und ja, da wäre ich zugegebenermaßen manchmal froh, wenn ich meine beiden großen Mäuse einfach für ein paar Stunden im Kindergarten „parken“ könnte und einfach mal Zeit zum Durchatmen hätte.

 

Wo Licht ist, ist eben immer auch Schatten

Andererseits würde ich unser Leben aber auch auf keinen Fall eintauschen wollen. Never ever. Denn wäre dem so, hätten wir uns sicher nicht bewusst für dieses Lebensmodell entschieden. Beziehungsweise wir würden etwas an unserem Alltagsablauf ändern oder die Kinder eben doch noch in der Kita anmelden.

Und ich denke, egal wie perfekt und super ein Lebensentwurf funktioniert – es gibt immer auch Schattenseiten. Oder anders ausgedrückt: Schließlich gibt es überall und bei jedem diese Tage, an denen es mal nicht rund läuft und man sich folglich wünscht, man wäre gerade ganz woanders. Ganz alleine auf einer karibischen Insel, zum Beispiel. Am Strand. In einem bequemen Liegestuhl mit Cocktail in der Hand. Oder so 😉

Steckt man selbst mitten im Chaos, hat Stress oder steht unter Termindruck, neigt man natürlich dazu, den eigenen Lebensstil in Frage zu stellen. Jedenfalls geht es mir manchmal so. Dabei ist es eigentlich ganz egal, wie die eigene Situation nun aussehen mag. Dann schleichen sich diese Gedanken ein wie: „Haben die anderen es nicht vielleicht doch besser? Ist deren Alltag nicht vielleicht doch einfacher? Hätten wir uns vielleicht doch anders entscheiden sollen… ?“

Hierbei gibt es dann allerdings zwei Dinge zu beachten:

  • Man muss seine persönliche Situation realistisch einschätzen. Ein Punkt, der in manchen Situationen definitiv schwer fällt. Denn wenn ich gerade gestresst / unausgeschlafen / nicht im Lot bin, empfinde ich meine momentane Situation wahrscheinlich als unbefriedigend und bin genervt. Aber man muss sich eben vor Augen führen: Es ist nur eine Momentaufnahme und beschreibt niemals die gesamte Lebenssituation. Morgen ist ein neuer Tag – und der wird auch wieder besser!
  • Das Leben anderer erscheint meistens einfacher. Das liegt daran, dass wir nur einen kleinen Teil davon sehen. Und anhand dieses Teilstückes darf man keinen Maßstab setzen. Denn diesem Vergleich wird man meistens schlechter abschneiden.

Fazit: Noch nicht wirklich reif für die Insel 😉

Das kindergartenfreie Leben war für uns die absolut richtige Entscheidung und es funktioniert bei uns wirklich ganz wunderbar. Ich würde es nicht eintauschen wollen. Aber zurück zur Ausgangsfrage: Ja, manchmal nervt dieses Leben auch ganz gewaltig. Und an manchen Tagen wünsche ich mich einfach nur ganz weit weg auf die besagte karibische Insel. Mit (mindestens) einem Cocktail in der Hand. Obwohl ich absolut hinter unserer Entscheidung und unserem Lebensmodell stehe.

Aber soll ich euch an dieser Stelle etwas verraten? Als ich noch kinderlos, berufstätig und dabei unglaublich erfolgreich *lol* war, ging es mir manchmal ganz genauso. Auch da gab es schließlich diese Tage. Was sind mir der Chef, die Kollegen oder einfach die Arbeit an sich manchmal auf die Nerven gegangen… Da wollte ich einfach nur noch weg. Wo bitteschön war an diesen Tagen eigentlich die verdammte karibische Insel??? Dabei hat mir die Arbeit normalerweise wirklich immer viel Spaß gemacht.

Also, kommen wir ganz einfach zu folgendem Schluss: Ja, manchmal nervt dieses ganze kindergartenfreie Ding. Aber so lange diese Tage deutlich in der Unterzahl sind, ist alles in Ordnung 🙂 Und -was man sich halt immer vor Augen halten sollte- solche Tage hat man  immer und überall mal. That’s life!

Ernsthafte Gedanken, an einer Situation etwas zu ändern sollte man sich jedoch dann machen, wenn die Unzufriedenheit die Oberhand gewinnt oder dauerhaft besteht. Denn dann läuft etwas falsch. Und das sollte man dann nicht auf Dauer hinnehmen müssen.

 

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Wie seht ihr das? Ich bin ja der Meinung, dass es selbst beim (für einen selbst) perfekten Lebensentwurf normal ist, dass man ihn ab und an in Frage stellt. Und dass es vielleicht gar nicht verkehrt ist, sich und seine gesamte Lebenssituation manchmal mit etwas Abstand zu betrachten, zu reflektieren und gegebenenfalls einiges neu zu justieren. Was sind eure Gedanken hierzu?

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