Hallo ihr Lieben,

bereits im Jahr 2018, also vor gut sechs Jahren, haben wir als Familie uns dazu entschlossen, unser Leben umweltbewusster zu gestalten und in unserem Alltag mehr Wert auf Nachhaltigkeit zu legen. Kurz darauf hatte ich dann auch einen recht ausführlichen Artikel zu diesem Thema geschrieben, in dem ich alles rund um die Themen „Minimalismus“, „Plastikfrei“ und „Nachhaltigkeit im Familienalltag“ noch einmal zusammengefasst hatte (den ganzen Blogpost zum Nachlesen findet ihr hier: klick). Von dem Thema „Solawi“ waren wir damals aber noch sehr weit entfernt.

Eine Reise hin zu mehr Nachhaltigkeit

Nun ist es ja aber so, dass die meisten Dinge im Leben lediglich einen Status quo darstellen und kein in Stein gemeißeltes, festes Konstrukt sind. So ist und war es auch mit unserem Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit. Es ist so ein „Ding“, das sich eben entwickelt: Man probiert Dinge aus, befindet sie für gut und behält sie bei – oder man verwirft sie wieder, da man festgestellt hat, dass es eben doch nichts für einen ist. Und passt seinen Kurs entsprechend an.

So hatten wir damit begonnen, Dinge zu upcyceln, sind auf plastikfreie Alternativen umgestiegen (darüber hatte ich in ganz vielen Artikeln hier berichtet), hatten Crowdfarming für uns getestet und konnten durch unseren neuen Lebensstil sogar ganze 1000 Euro pro Jahr(!) einsparen. Den von vielen Lesern nach wie vor häufig gelesenen Artikel hierzu findet ihr übrigens hier: klick. Unser Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit im Alltag wurde für uns also mehr und mehr zu einer spannenden Reise, auf der es viel Neues auszuprobieren und zu entdecken gab! Auch von Rückschlägen und Stolpersteinen hatte ich berichtet, denn die gibt es einfach und auch solche Dinge gehören eben dazu.

Und dann fanden wir, dass es wieder einmal an der Zeit war, etwas Neues auszuprobieren. Und da sich vor einiger Zeit in unserer unmittelbaren Nähe die Gelegenheit geboten hatte, haben wir für uns absolutes Neuland betreten und sind Mitglied einer Solawi geworden. Und darüber möchte ich euch im Folgenden berichten 🙂

Was ist eigentlich eine Solawi?

Der Begriff Solawi steht eigentlich für „Solidarische Landwirtschaft“ und beschreibt den Zusammenschluss eines landwirtschaftlichen Betriebes mit mehreren Personen / Haushalten, die gemeinsam die Kosten des Betriebes tragen und dafür im Gegenzug jeweils einen Teil des Ernteertrages erhalten.

Dieses bedeutet konkret: Erzeuger und Verbraucher schließen sich direkt zusammen und bilden eine solidarische Gemeinschaft, bei der die Verbraucher die finanziellen Mittel liefern, mit denen der landwirtschaftliche Betrieb wirtschaften kann. Im Gegenzug erhalten die Verbraucher dann einen Teil der Ernte, die der Betrieb erwirtschaftet. Aus Verbrauchersicht bezahlt man also direkt und ohne Zwischenstufe für die Erzeugung der Lebensmittel, die man später konsumiert.

Sehr schön erklärt findet ihr alles übrigens auf der Seite des „Netzwerks Solidarische Landwirtschaft“. Wenn ihr euch also weiter über dieses Thema informieren wollt bzw. konkretere Infos sucht, werdet ihr auf dieser Seite definitiv fündig!

Was sind die Vorteile einer Solawi?

Das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft bietet natürlich einige Vorteile – sowohl für den landwirtschaftlichen Betrieb, als auch für den Verbraucher.

Für uns waren es vor allem folgende Aspekte, die uns dazu bewogen haben, Mitglied einer Solawi zu werden:

  • Man erhält regelmäßig frische, regionale und saisonale Lebensmittel aus ökologischem Anbau.
  • Man erhält die Produkte direkt vom Erzeuger. Ohne Zwischenhändler, ohne lange Transportwege und komplett ohne Verpackung.
  • Man hat ein gewisses Mitspracherecht und ist Teil einer netten Gemeinschaft 🙂 Zudem bekommt man die Gelegenheit an Seminaren, Workshops, Hoftagen und Festen teilzunehmen (dies ist natürlich abhängig von der jeweiligen Solawi bzw. vom jeweiligen Hof)
  • Die Kinder bekommen einen direkten Einblick und lernen viel darüber, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie sie angebaut werden. Dies war vor allem für uns ein sehr wichtiger Punkt!

Und natürlich hat auch der landwirtschaftliche Betrieb / Erzeuger Vorteile vom Konzept einer Solawi:

  • Der Betrieb erhält durch die festgesetzten Beiträge der Mitglieder eine gewisse Planungssicherheit und die Möglichkeit, nachhaltiger zu wirtschaften.
  • Das Risiko für Unwägbarkeiten (wie zum Beispiel witterungsbedingte Ernteausfälle) wird minimiert, da die finanzielle Last auf viele Schultern verteilt ist.
  • Eine nicht-industrielle, marktunabhängige und somit nachhaltige Bewirtschaftung ist möglich.

Was bedeutet es nun konkret, Mitglied einer Solawi zu sein? Und was kostet es?

Natürlich unterscheiden sich die Bedingungen und Gegebenheiten, je nachdem, welcher Solawi man beitritt. Jeder Betrieb hat eine etwas andere Struktur und jede Solawi setzt auch ihr eigenes Konzept um.

Die Grundprinzipien, Mitgliedsbeiträge und Strukturen sind jedoch zumindest ähnlich. Daher möchte ich euch heute kurz darüber berichten, wie das mit der Solawi bei uns im Alltag aussieht 🙂

  • Ich fahre regelmäßig zum Hof und hole unseren Ernteanteil ab: Am Ende des Winters / zu Beginn des Frühlings gibt es alle zwei Wochen eine Ernte. Der Grund liegt ganz einfach darin, dass es zu dieser Jahreszeit noch nicht so viel zu ernten gibt 🙂 Ansonsten erhält man eine wöchentliche Ernte, die ich direkt bei unserem Hof abhole. Glücklicherweise befindet sich der Hof wirklich „um die Ecke“ und ich habe keine weite Anfahrt. Die Kinder haben auch immer einen riesigen Spaß daran, mit zum Hof zu kommen, sich dort alles anzusehen und die Ernte einzupacken!
  • Recherchiert man etwas im Internet, findet man heraus, dass sich die Kosten für einen Ernteanteil je nach Solawi zwischen 80 und 130 Euro bewegen. Auch unser Tarif befindet sich innerhalb dieser Preisspanne. Bei unserer Solawi gab es zudem die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Tarifen zu wählen; dies war abhängig davon, ob man selbst Arbeitsstunden investieren möchte (dann zahlt man monatlich etwas weniger) oder ob man „nur“ Abnehmer ist. Den Beitrag zahlen wir übrigens monatlich im Voraus.
  • Der Ernteanteil sieht immer anders aus: Denn was es zu ernten gibt bzw. wieviel ist natürlich abhängig von der Jahreszeit sowie von den jeweiligen Wetterverhältnissen.
  • Bei unserer Solawi erhalten wir eine schöne Auswahl an verschiedenen Gemüsesorten, Salaten und Kräutern. Andere Solawis (dabei handelt es sich meist um größere Betriebe) bieten auch noch Eier, Backwaren, Molkereiprodukte und Früchte an.
  • Man kann regelmäßig teilnehmen an Hoftagen, Workshops und Infoveranstaltungen. Man hat ein gewisses Mitspracherecht hinsichtlich der Planung / Umsetzung von Projekten und erhält einen transparenten Einblick in die (finanzielle) Planung und Aufstellung des Betriebes.

Und welche Nachteile gibt es?

Natürlich bringt das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft auch Nachteile mit sich, auf die ich an dieser Stelle ebenfalls noch eingehen möchte.

  • Die Größe und Zusammensetzung des Ernteanteils variiert stark. Im Sommer fällt der Anteil logischerweise um einiges größer aus als beispielsweise im Winter / Frühjahr.
  • Solawis sind nicht überall vorhanden. Wir haben großes Glück, denn „unser“ Hof befindet sich wirklich nur wenige Kilometer von unserem Wohnort entfernt. Muss man wöchentlich erst einmal eine halbe Stunde hinfahren (und nachher auch wieder zurück), so macht das Ganze hinsichtlich Zeitaufwand und Nachhaltigkeit schon wieder wenig Sinn.
  • Man hat keinen direkten Einfluss auf Größe / Zusammensetzung des Ernteanteils.
  • Man trägt ein gewisses finanzielles Risiko: Kommt es zu witterungsbedingten Ernteausfällen, tragen alle Mitglieder der Solawi den Schaden gemeinschaftlich.
Ernteanteil Solawi

Unser bisheriges persönliches Fazit

Als wir vor einigen Monaten angesprochen wurden, ob wir Teil einer Solawi werden möchten, waren wir wirklich Feuer und Flamme. Das Konzept gefällt uns schon lange und die Umsetzung „unserer“ Solawi hat uns auch sehr zugesagt. So hatten wir uns kurzerhand dazu entschlossen, der Gemeinschaft beizutreten.

Bisher sind wir auch recht zufrieden und zugegebenermaßen auch neugierig darauf, wie es mit unserer Solidarischen Landwirtschaft weitergehen wird. Wir werden auf jeden Fall berichten! 🙂